Hin und nicht zurück

Meine 13-jährige Tochter kam heute Mittag aus Frankreich von ihrem Schüleraustausch zurück. Die Jungs und ich haben sie vom Bahnhof abgeholt, in den Arm genommen und ihr gesagt, dass wir sehr froh sind, dass sie wieder da ist. Sie hat mich gedrückt und für einen Moment war sie wieder das kleine Mädchen, das froh ist, wieder bei seiner Mutter zu sein. Der Vierjährige hat sogar ihren Koffer getragen … gerollt. Für zwei Minuten, dann war er zu schwer.

Zu Hause war auch gleich wieder alles beim Alten. Badezimmer blockiert, vom kleinen Bruder genervt, genervt, weil sie mit dem Hund raus sollte. Genervt, weil man sie daran erinnert hat, mit dem Hund rauszugehen. Wie Teenager eben so sind.

Zur gleichen Zeit hat eine andere Klasse den Rückweg von ihrem Spanisch-Austausch angetreten. 16 Teenager, die eine wahnsinnig aufregende Zeit hinter sich hatten und mit einem lachenden und einem weinenden Auge in das Flugzeug gestiegen sind. In Düsseldorf warteten Eltern, vielleicht auch Geschwister, und haben sich wie verrückt auf die Ankunft ihrer Kinder gefreut

Doch diese Eltern und Geschwister konnten ihre Kinder heute nicht in den Arm nehmen, und ihnen sagen, wie froh sie sind, sie wieder bei sich zu haben. Sie können sie nie wieder in den Arm nehmen.

Und während meine Tochter bis in den Abend fast ohne Punkt und Komma von Frankreich, ihrer Gastfamilie, der Schule und den Ausflügen geredet hat und jetzt erschöpft, aber glücklich in ihrem Bett liegt, sitzen andere Familien weinend an ihren Tischen und Betten bleiben leer.

Mir gehen solche Nachrichten wie die des Flugzeugabsturzes der Germanwings-Maschine heute Morgen sehr nahe. Vor allem, wenn Menschen betroffen sind, die die eigenen Kinder sein könnten. Ich will mir nicht ausmalen, was in ihren Köpfen vorgegangen ist, als sie realisiert haben, dass sie nicht heil ankommen werden.

Den Angehörigen gilt mein allertiefstes Mitgefühl in diesen schweren Stunden. Ich wünsche unfassbar übermenschliche Kraft zum Weitermachen. Irgendwie.

Und allen anderen (und auch mir): Seid dankbar und voller Freude, dass ihr eure Familien habt. Genießt jeden Tag. Lasst euch nicht von Belanglosigkeiten nerven und verabschiedet euch nie im Streit voneinander. Das Leben ist nur bedingt planbar.