Wie man einen Teenager beeindruckt

Ich bin in einem Alter angelangt, wo es zunehmend schwerer wird, in den Augen der Teenager-Tochter “cool” zu sein. Meistens bin ich ihr eher peinlich oder habe keinen “Swag”. Ich kann mit ihrer Jugendsprache nicht immer mithalten, finde ihren Musikgeschmack und ihre Hobbies zum Teil befremdlich und heute hat sie mir, und das muss man sich mal vorstellen, auf meine Frage, ob sie sich einen Badeanzug für den Schwimmbadbesuch mit ihrer Freundin eingepackt hat, geantwortet: “Mama! Den hab ich drunter!” Ich hab entsetzt zurückgefragt: “Drunter?!? Den zieht man normalerweise erst in der Umkleide an!” Sie schaute mich daraufhin mit einem mitleidigen Hast-du-ein-Rad-ab-Blick an und sagte pikiert: “Nein?!? Den zieht man normalerweise drunter?!?” Aber was weiß ich schon. Früher haben wir auch noch Badekappen getragen.

Was bin ich jedes Mal froh, wenn ich andere Teenager-Eltern treffe. Wir bemitleiden uns dann immer gegenseitig und klopfen uns aufmunternd auf die Schultern.

Heute jedoch war ein Ausnahmetag, an dem sie mich zur Abwechslung mal nicht total un-swag fand.

Was ist passiert? Um das zu erklären, muss ich ein paar Jahre zurück gehen. 1999 erschien ein Computerspiel namens “Outcast”; ein Action-Adventure in dem man die Rolle eines US-Navy-Commanders übernimmt, der im Rahmen eines Experiments der amerikanischen Regierung auf einen fremden Planeten reist. Dort trifft er auch auf die Bewohner. Mein damaliger Freund war ein großer Fan dieses Spiels und hat sich 2002 mit einigen anderen Spielern zusammengetan und im Rahmen eines Fan-Projekts die eigens für das Spiel erfundene Sprache weiterentwickelt, die bis dato nur aus 150 Wörtern bestand. Ich habe einen Teil der Grafiken für die Internetseite erstellt.
Die Jungs haben in akribischer Kleinstarbeit sogar die komplette Grammatik erfunden. Deklinationen, Steigerungsformen, alles schlüssig und ohne Widersprüche.
Irgendwann berichteten sogar Computerzeitschriften von dem Projekt.
Heute bin ich auf den Wikipedia-Eintrag des Spiels gestoßen und hab mich sehr gefreut, dass das Fan-Projekt immerhin so viel Eindruck hinterlassen hat, um dort erwähnt zu werden.

Lange Rede, kurzer Sinn – das alles hab ich meiner Tochter erzählt. Und was sagte sie dazu?

“Saucool, Mama!”

Das ist für sie quasi ein Gefühlsausbruch und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ein bisschen im Swag bei ihr gestiegen bin.

Zumindest, bis ich sie wieder daran erinnern muss, mit dem Hund rauszugehen :-p